Teamarbeit in KiTas: Zentral für Schutz und Wohlbefinden von Kindern

Ende des Jahres 2025 veröffentlichte die BertelsmannStiftung eine Studie zum Zusammenhang pädagogischen Fehlverhalten und der Qualität der Zusammenarbeit im Team. Es wurden über 20 tausend Fachkräfte online befragt zum Thema „Psychosoziale Belastung und Kinderschutz in der Kita“. Die Auswertung ergibt einen „dringenden Handlungsbedarf“. – „Nur weniger als die Hälfte der Befragten (40,2%) gibt an, in der eigenen Einrichtung nie oder fast nie Interaktionen mitzuerleben, in denen Kinder in ihren Augen geschützt werden müss(t)en.“ (Abb. 1, Seite 12)

Die vollständige Studie finden Sie hier. Im Folgenden geben wir einen kurzen Einblick in wesentliche Ergebnisse der Studie zur Beobachtung von Fehlverhalten (1.), gehen auf die Funktionalität der Teamarbeit ein (2.) und greifen die „Handlungsempfehlungen“ der Studie auf (3.). Insgesamt wurden den an der Umfrage beteiligten Fachkräften 13 Fragen zur Beobachtung  und Häufigkeit von Fehlverhalten, zur Funktionalität der Teamarbeit mit Blick auf den Schutz und das Wohlbefinden der Kinder sowie den Zusammenhang von Struktur- und Prozessqualität gestellt. Dazu im Einzelnen:

Beobachtung von Fehlverhalten

Je nach ihrer Funktion in der Einrichtung zeigen sich Unterschiede, wie häufig Fachkräfte Fehlverhalten beobachten, mit welcher Wahrscheinlichkeit sie eingreifen, um das Kind zu schützen, und aus welchen Gründen nicht. Unterschiedliche Auffassungen im Team zu angemessenem Verhalten gegenüber Kindern fördern ein häufigeres Auftreten von Fehlverhalten und ein daraus resultierendes Belastungserleben. Durch die gleichzeitige Konfrontation mit Fehlverhalten einerseits und Teamkonflikten andererseits kommt es dann häufig zu einer Mehrfachbelastung für das KiTa-Personal. Es ist plausibel anzunehmen, dass in diesen Fällen Kinderrechte nicht verlässlich eingelöst werden, das Kindeswohl beeinträchtigt werden kann und dass damit Risiken für die kindliche Bildung und Entwicklung verbunden sein können.“ (S. 41) Hier einige Beispiele zum Fehlverhalten: „Eine Erzieherin macht sich vor der gesamten Gruppe lustig über ein Kind, weil es sich eingenässt hat. Eine andere zieht einem Kind grob die Mütze über den Kopf. Und eine Erzieherin schiebt einem Kind den Löffel in den Mund, um es zum Aufessen zu zwingen. Solches Fehlverhalten von Fachkräften gehört in dielen Kitas zum Alltag.“ (Bericht in der Westdeutschen Allgemeinen zeitung (WAZ) vom 27.12.2025 zur Bertelsmannstudie).“ Der oben in Abbildung 1 dargestellte Umfang der Beobachtung von Fehlverhalten – knapp 60% aller Fachkräfte beobachten dies – wird aufgrund der in der Studie nicht erfassten Dunkelziffer mit großer Wahrscheinlichkeit noch höher liegen.

Funktionalität der Teamarbeit

Die Beobachtung von Fehlverhalten führt zu Belastungen der Fachkräfte (siehe Abbildung 7). Diese Belastungen und auch das Risiko von weiterem Fehlverhalten nehmen deutlich zu, wenn das Fehlverhalten einzelner Fachkräfte deutlich zu, wenn das Fehlverhalten einzelner Fachkräfte im Team nicht besprochen und bearbeitet werden kann. Deswegen bedarf es einer wertschätzenden und respektvollen Kommunikation, eines Verhaltenskodex zu angemessenem Verhalten gegenüber den Kindern und eines kontinuierlichen Feedbacksystems zu gelungenen Interaktionen und auch (!) zu Fehlverhalten. Dass hier deutlicher Handlungsbedarf besteht, geht aus der „Bewertung der Teamarbeit“ (Abbildung 18) hervor. Knapp 50% der Befragten ordnen die Feedbackstruktur in ihren Einrichtungen als unzureichend („stimme nicht zu“ u. „stimme eher nicht zu“) ein: Regelmäßiges „Feedback durch Leitung und Team“ (16,9%+28,3%= 45,5%), „Feedback zu gelungenen Interaktionen“ (16,7%+29%=45,7%) und „Feedback zu Fehlverhalten“(17,2%+32,2%=49,4%). Das bedeutet in der Konsequenz: „Das KiTa-Fachpersonal greift nicht verlässlich in Situationen ein, in denen Kinder in seinen Augen geschützt werden müss(t)en. Ein entscheidender Grund dafür, nicht einzuschreiten, liegt auf der persönlichen Ebene in Unsicherheiten hinsichtlich der Einschätzung der Situation und den eigenen Handlungsmöglichkeiten; zum anderen wirken soziale Dynamiken in den Teams, z. B. die Angst vor Ausgrenzung, als hemmende Faktoren. Bei den Leitungskräften spielen zusätzlich strukturelle Rahmenbedingungen eine wichtige Rolle, konkret die Sorge um einen erhöhten Personalmangel, den ein Eingreifen nach sich ziehen könnte. Um den Schutz und das Wohlbefinden von Kindern zu gewährleisten, können auf Teamebene mehrere Faktoren gemeinsam präventiv wirken: eine wertschätzende und respektvolle Kommunikation im Team, eine Leitungskraft, die Anliegen der Mitarbeitenden ernstnimmt und zeitnah reagiert, sowie regelmäßiges Feedback sowohl zu gelungenen Interaktionen als auch zu Fehlverhalten. In vielen Einrichtungen sind jedoch mehrere dieser Werte unzureichend ausgeprägt.“ (S. 41). Deutlich wird in diesem Kontext auch, dass eine personelle Verbesserung nicht `automatisch´ Abbau von Fehlverhalten führt, sondern nur wenn die Kommunikation und Zusammenarbeit im Team auf einem guten Niveau ist – also die Feedbackkultur implementiert und umgesetzt wird. Die Studie zieht diesbezüglich zwei Schlussfolgerungen: „Eine Verbesserung der personellen Besetzung (1) beeinflusst die Häufigkeit von Fehlverhalten nur indirekt über ihre Wirkung auf die Teamarbeit, und kann (2) das System durch ein erhöhtes Risiko von Fehlverhalten zusätzlich belasten, wenn sie nicht zu einer hohen Qualität von Teamarbeit beiträgt – etwa durch nicht ausreichend qualifiziertes neues Personal.“ (S. 41) Aber auch: Eine personelle Unterbesetzung kann durch Überlastung der Fachkräfte trotz guter Teamarbeit zu einem mehr an Fehlverhalten führen, weil der situative Handlungsdruck die passgenaue  Abstimmung der Interaktion auf das jeweilige Kind einschränkt/verhindert bzw. die einzelne Fachkraft unreflektiert und übergriffig agiert.

Handlungsempfehlungen

Die Handlungsempfehlungen richten sich an die „Verantwortungsgemeinschaft“ (S. 42) des Systems Kita:

KiTa-Teams

„Die Teamarbeit in KiTas kann präventiv wirken, um Fehlverhalten gegenüber Kindern zu reduzieren. Auf der Einrichtungsebene ist es demnach von hoher Relevanz, das zeigen die vorliegenden Ergebnisse, an der Kommunikation im Team, dem Leitungs- und Feedbackverhalten anzusetzen.“ (ebd.) Dazu im Einzelnen:

  • Kontinuierliche Verständigung über angemessenes Verhalten und Gewalt gegenüber Kindern auf hohem fachlichen Niveau und die Stärkung der Kinderrechte (Selbst- und Mitbestimmung).
  • Umsetzung einer offenen Kommunikation und einer positiven Fehlerkultur: „Feedback sollte aber sowohl für Fehlverhalten als auch für gelungene Interaktionen ausgesprochen werden. Die gemeinsame Haltung, aus Fehlern lernen und zum Wohle der Kinder handeln zu wollen, kann Loyalitätskonflikte und die Sorge vor Ausgrenzung im Team – häufig genannte Gründe für ein Nicht-Einschreiten – verringern.“ (ebd.)
  • „(S)trukturierte und verbindliche Verhaltensweisen für den Umgang mit Fehlverhalten“ (ebd.). Diese sollten in das Gewaltschutzkonzept integriert werden und in offenen Kommunikation „gelebte Kultur“ (ebd.) werden.
  • Die Feedbackkultur ist ein zentraler „Ansatzpunkt für die Weiterentwicklung des (kollektiven und individuellen) professionellen Handelns“ (ebd.) gerade auch mit Blick auf die „Kontrolle der eigenen Emotionen“ (S. 43) und die Gruppendynamik im Team.
  • „Individuelle Verantwortung“ (ebd.): „Die Arbeit im Team ist auch zentral, wenn es darum geht, sich im Sinne des Bystander-Effekts der eigenen Verantwortung und der hemmenden Faktoren für den Kinderschutz bewusst zu werden. Die beschriebenen Faktoren auf der Team- bzw. Einrichtungsebene können nur dann wirksam werden, wenn sie auch von jedem/jeder einzelnen Fachkraft/Beschäftigten (mit)getragen werden.“ Es geht dabei auch darum, die Reflexionskompetenz sowie die Selbstfürsorge (= Umgang mit Belastungen, Überforderungen, eigener Gesundheit) zu stärken.
  • „Heterogene Voraussetzungen in den Teams“ (ebd.): Aufgrund unterschiedlicher Ausbildungen und Berufserfahrungen der Fachkräfte, Fluktuation und Einarbeitungsphasen bedarf es „stetige(r) Lern und Entwicklungsprozesse, auch im Team. Dafür bedarf es Ressourcen und der Teamführung durch die Leitung.“ (ebd.)

Leitung

Die Leitung ist mit Blick auf gute Teamarbeit in der Schlüsselposition: „Die KiTa-Leitung trägt auf Einrichtungsebene die Verantwortung für das Handeln und somit den professionellen Umgang mit Fehlverhalten des Teams/der einzelnen Mitarbeitenden gegenüber Kindern. Entsprechend kommt ihr eine bedeutende Rolle für den Schutz und das Wohlbefinden der Kinder sowie für die Teamarbeit und die Entlastung der Fachkräfte zu. … Im Gewaltschutzkonzept sollten Meldewege festgelegt und transparent sein, die für alle Mitarbeitenden als verbindlich erlebt werden und als Bestandteil der Fehler- und Feedbackkultur auch eingehalten werden. Auch muss sichergestellt sein, dass Mitarbeitende Schutz erfahren, wenn sie sich vertrauensvoll mit Beobachtungen von Fehlverhalten an die Leitungskraft wenden.“ (S. 44) Sie muss im Bedarfsfall „externe Unterstützung“ (ebd.) organisieren und bedarf diesbezüglich auch des „Rückhalt(s) des Trägers“ (ebd.) und dessen Unterstützung.

Träger und Fachberatung

Träger und Fachberatung tragen mit Blick auf die Gestaltung der Rahmenbedingungen und der passgenauen Begleitung und Unterstützung jeder Leitung und jedes Kita-Teams bei der Umsetzung, Reflexion und Weiterentwicklung der pädagogischen Arbeit, des Gewaltschutzkonzeptes und Kinderrechte sowie der dafür erforderlichen Kommunikation und Feedbackkultur eine hohe Verantwortung:

„Vor allem im Spannungsfeld von Bedarfsdeckung, Aufrechterhaltung der Öffnungszeiten und Personalbindung bzw. -gewinnung auf der einen Seite sowie Qualität, Professionalität und Kinderschutz auf der anderen Seite liegt es am Träger, Prioritäten so zu setzen, dass Kinderrechte gesichert sind und das Personal entlastet wird. Leitungen, beratend auch KiTa-Teams, sollten in die Entscheidungen bei Personaleinstellungen mit einbezogen und bei der Einarbeitung von neuem Personal aktiv unterstützt werden. Zeiten für Reflexion und Selbstfürsorge sollten fest eingeplant bzw. in der Personalbemessung berücksichtigt sein. Die Möglichkeit zu Überlastungsanzeigen nach § 47 SGB VIII sollte ernst- und wahrgenommen und trägerseits auch aktiv auf sie hingewiesen werden.“ (ebd.) Und: „Neben einer Qualifizierung und Sensibilität der Fachberatung für Themen des Kinderschutzes, Teamprozesse sowie die Belastung in den Teams muss diese entsprechend auch mit ausreichend Kapazitäten ausgestattet sein, um Teams kontinuierlich und wirksam begleiten zu können.“ (S. 45)

Landes- und Bundespolitik

Bund und Länder müssen sich auf „einheitliche Qualitätsstandards für die Strukturqualität (verständigen) „damit alle Einrichtungen die gleichen Voraussetzungen und Ressourcen nach wissenschaftlichen Empfehlungen haben, um den Schutz, das Wohlbefinden, die Bildung, Betreuung und Erziehung der Kinder und gleichzeitig die Qualifikation und Entlastung der Fachkräfte gewährleisten zu können.“ (ebd.) Dabei gilt es (endlich) angemessene Personalschlüssel umzusetzen und dabei Verfügungs-, Reflexionszeiten und Krankheitstage sowie Schließzeiten zu integrieren. „Die sinkenden Geburtenzahlen in vielen Bundesländern und Regionen … bieten … Spielräume, die Personalausstattung, insbesondere (auch) die Bemessung von Leitungszeiten und Fachberatung, zu verbessern.“ (ebd.)

Zuguterletzt: „Verantwortungsgemeinschaft“ = Kooperative organisatorische und fachliche Steuerung im System Kita

Das Fazit der Bertelmannstudie ist, dass die Qualität der Teamarbeit in der KiTa zentral für den Schutz und das Wohlbefinden der Kinder ist. Um die Qualität der Teamarbeit zu gewährleisten und kontinuierlich weiterzuentwickeln, müssen Träger, Leitung und Team/Fachkräfte so zusammenarbeiten, dass in jeder Kita eine wertschätzende, offene, reflexive, Konflikte lösungsorientiert bearbeitende Kommunikation und Feedbackkultur praktiziert werden kann. Die Leitung ist dabei mit Blick auf die einzelne Einrichtung in einer Schlüsselposition. Jede Fachkraft trägt diesbezüglich individuelle Verantwortung. Der Träger muss unter Einbeziehung der Leitungen die Strukturqualität (Öffnungs- und Schließzeiten, Team- und Konzeptionstage, Ressourcen für Fort- und Weiterbildung, Mitarbeiterakquise, Springerpool bei Personalausfällen, Verfügungszeiten, Verwaltung und Digitalisierung, Umfang der Fachberatung etc.) unter den gegebenen Rahmenbedingungen optimal und zuverlässig gestalten und die jeweils mit der Leitung abgestimmte passgenaue Begleitung und Unterstützung jeder einzelnen Kita (Begleitung durch die Fachberatung, Konzeptions- und Qualitätsentwicklung, Basisqualität, Umgang mit Teamkonflikten, Coaching und externe Begleitung, Einarbeitung neuer Mitarbeiter*innen, Zugang zu Fort- und Weiterbildungen, Vorbereitung auf und Umsetzung von Krisenszenarien durch Personalausfälle etc.) unterstüten und ermöglichen. Wir – die pragma gmbh – differenzieren das, was in der Studie als „Verantwortungsgemeinschaft“ (S. 42) bezeichnet wird, als „kooperative organisatorische und fachliche Steuerung im System Kita“ (ausführlich hierzu unter Punkt VII.3 – ganz unten auf der Seite Angebote und Veröffentlichungen: Leitung und Team kindergarten heute 2005 und 2006) sowie pim(®) kurz erklärt.

Dabei ist das pragma-indikatoren-modell (pim(®), unser Qualitätsmanagemensystem eine wirksame Hilfe, ein gutes `Fundament`. Es ist angeockt an das pädagogische Alltagshandeln, bezieht die Fachkräfte systematisch und kontinuierlich ein, stärkt die Zusammenarbeit und Kommunikation im Team sowie die Kooperation von Leitung und Träger durch: