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Foto von Tekton auf Unsplash

QuabiDu – Qualität bist DU

Die Kolumne von Sonja Billmann

Seit mehr als zwanzig Jahren begleite ich Träger, Leitungen und Teams in ihrer Qualitätsentwicklung. Dabei begegnen mir erstaunlich oft dieselben Fragen – und manchmal ebenso erstaunliche Antworten. Häufig warten sie nicht in Fachbüchern oder Sitzungsräumen, sondern mitten im Alltag. In dieser Kolumne lade ich Sie ein, mit mir genauer hinzusehen.


Neulich blieb ich an einer Baustelle stehen.

Nicht, weil dort etwas Spektakuläres passierte. Es passierte genau das, was auf Baustellen eben passiert. Menschen arbeiteten. Einer pfiff leise vor sich hin. Irgendwo summte eine Kreissäge. Es roch nach frischem Holz.

Und da stand er.

Ein geöffneter Werkzeugkoffer.

Ich musste lächeln. Werkzeugkästen haben etwas Beruhigendes. Alles hat seinen Platz. Der Hammer sucht nicht den Zollstock. Die Wasserwaage streitet sich nicht mit dem Schraubenschlüssel. Niemand fragt, welches Werkzeug das wichtigste ist. Es wäre eine ziemlich absurde Diskussion.

Erst auf dem Rückweg fiel mir auf, warum ich so lange stehen geblieben war.

Deutschland gleicht im Moment einer großen Baustelle.

Nicht wegen neuer Straßen.

Nicht wegen neuer Häuser.

Sondern wegen seiner Trägerlandschaft.

Überall wird gebaut. Kirchengemeinden schließen ihre Kindertageseinrichtungen zu großen Verbünden zusammen. Kommunen entwickeln neue Strukturen. Freie Träger wachsen. Aus einzelnen Häusern entstehen große Organisationen. Manche beobachten diese Entwicklung mit Begeisterung. Andere mit Skepsis. Die meisten vermutlich mit beidem.

Mich beschäftigt dabei eine ganz andere Frage.

Was trägt eigentlich eine große Organisation?

Es sind erstaunlich selten die Dinge, über die wir zuerst sprechen.

Organigramme tragen keine Kultur.

Dienstanweisungen stiften keine Identität.

Software schafft keine Zusammenarbeit.

Sie alle sind wichtig. So wie Dachziegel wichtig sind. Nur würde niemand auf die Idee kommen, ein Haus mit Dachziegeln zu beginnen.

Ein gutes Haus beginnt mit einem Fundament.

Mit tragenden Säulen.

Mit Menschen, die wissen, was sie tun.

Vielleicht ist genau das der Grund, warum ich Veränderungen in der Trägerlandschaft mit Interesse betrachte. Große Träger entstehen nicht dadurch, dass man Einrichtungen addiert. Sie entstehen dort, wo aus vielen Erfahrungen eine gemeinsame Haltung wächst. Wo Menschen beginnen, dieselbe Sprache für Qualität zu sprechen. Wo Vertrauen entsteht. Wo Verantwortung geteilt wird.

Michael Schrader beschreibt das pragma-indikatoren-modell als Gerüst und Handwerkszeug professioneller Qualitätsentwicklung. Ich mag diesen Gedanken sehr. Werkzeuge machen ihre Besitzerinnen und Besitzer nicht zu Handwerkerinnen. Sie entfalten ihre Kraft erst in den Händen von Menschen, die ihr Handwerk verstehen.

Vielleicht gilt das auch für Qualitätsmanagement.

Ein Qualitätsindikator führt kein Entwicklungsgespräch.

Eine Qualitätspolitik baut keine Beziehung auf.

Ein Handbuch löst keinen Konflikt.

All das geschieht durch Menschen.

Und genau deshalb überrascht es mich nicht, dass Einrichtungen, die seit Jahren Qualitätsentwicklung leben, mit Veränderungen häufig erstaunlich gelassen umgehen. Sie üben längst das, was große Träger heute brauchen: beobachten, zuhören, reflektieren, argumentieren, Entscheidungen gemeinsam tragen und immer wieder neu lernen. Qualitätsentwicklung wird so zum täglichen Training für Zukunftsfähigkeit.

Besonders deutlich zeigt sich das dort, wo Träger und Einrichtungen gemeinsam Verantwortung übernehmen. Für mich gehört die Zusammenarbeit mit dem Träger deshalb zu den tragenden Säulen jeder Qualitätskultur. Aus einer klaren Qualitätspolitik entsteht Orientierung. Aus regelmäßigem Dialog entsteht Vertrauen. Aus vielen unterschiedlichen Einrichtungen kann eine lernende Gemeinschaft wachsen, die mehr ist als die Summe ihrer Teile.

Als ich die Baustelle schließlich verließ, blieb der Werkzeugkoffer dort.

Meinen eigenen nahm ich mit.

Er ist erstaunlich leicht.

Darin liegen keine Schraubenschlüssel.

Darin liegen Fragen.

Neugier.

Mut.

Vertrauen.

Die Freude am gemeinsamen Denken.

Und die feste Überzeugung, dass Qualität jeden Tag neu entsteht – überall dort, wo Menschen bereit sind, miteinander Zukunft zu bauen.

Vor einiger Zeit habe ich diesem Gedanken einen Namen gegeben.

QuabiDu – Qualität bist DU.

Vielleicht ist das die tragfähigste Säule, die wir in bewegten Zeiten bauen können.

Nutzen Sie gern die kostenlose „Checkliste zum Trägerwechsel“ als Hilfestellung (PDF Downlaod):

Checkliste zum Trägerwechsel
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