Noch mal zum Kibiz – und drumherum!
Neben der Kibiznovelle ging es ganz zentral auch um die vom Schulministerium geplante Einführung der ABC-Klassen. Hier die vollständige Pressemitteilung. Dazu im Einzelnen:
Kibiz-Novelle: Familienministerin Schäffer plant die Verabschiedung der Kibiznovelle für Mitte Juli. Inkrafttreten wird das überarbeitete Gesetz dann zum Beginn des Kindergartenjahres 2027_28. Sie war ja bei den Kern- und Randzeiten schon von 5 auf 7 Stunden `zurückgerudert´ (siehe unseren Blogbeitrag vom 16.04.2026 NRW zieht die Notbremse beim Kinderbildungsgesetz). Die Aussage des familienpolitische Sprechers der CDU, Jens Kamieth, bei der Expert*innenanhörung deutet an, dass es vermutlich bei der bei der Reduzierung der Kernzeit auf von 9 auf 7 Stunden beliebt. Er verteidigte „die Idee der Kern- und Randzeiten als eine aufgrund des Fachkräftemangels `aktuell pragmatische Lösung´. Mit Blick auf die sinkenden Kinderzahlen könne er sich aber gut vorstellen, dass das Modell der Kern- und Randzeiten nicht bis in alle Ewigkeit mehr gilt.´“ Unklar ist nach wie vor, ob die geplante Buchung der Kinderbetreuung in Fünf-Stunden-Schritte zurückgenommen wird. Die Expert*innen sprachen sich sowohl mit Blick auf die Auswirkungen auf die Tagesabläufe in den Gruppen als auch den zusätzlichen bürokratischen Aufwand dagegen aus. Die 5-Stunden-Buchungen können dazu führen, dass während des gesamten Tagesablaufs in jeder Stunde Kinder kommen und – bei einer Öffnungszeit (7.30 bis 16:30) von 9 Stunden pro Tag – ab 12.30 die Kita wieder verlassen. Spätestens im Juni müsste die Familienministerin dann den abschließenden Entwurf für die Kibiznovelle für die Verabschiedung im Landtag vorlegen.
ABC-Klassen: „Bei den Schuleingangsuntersuchungen zeigt inzwischen fast ein Drittel der Fünf- bis Sechsjährigen Schwächen in der deutschen Sprache.“ (Westdeutsche Allgemeine Zeitung 29.04.2026) In v.a. den Ruhrgebietsstädten ist der Anteil der Kinder wesentlich größer. In Gelsenkirchen müssen „rund 90 Prozent der Kinder sprachlich gefördert werden“ (ebd.). Um hier gegenzusteuern plant die schwarz-grüne Landesregierung ab dem Schuljahr 2028_29 „eine landesweit einheitliche Sprachstandsfeststellung“ für alle Kinder. „Verfügen sie nicht über die notwendigen Deutschkenntnisse, müssen sie ein Jahr lang bis zur Einschulung zweimal pro Woche jeweils für zwei Stunden an `ABC-Klassen´ teilnehmen.“ (Ebd.) Die jährlichen Kosten für dieses Programm liegen bei ca. 250 Millionen Euro. „Sie sollen dann zweimal die Woche für zwei Stunden an einen ihnen fremden Ort gekarrt werden, um dort von fremden Personen gefördert zu werden. Das kann nicht funktionieren“, sagt die Bildungsexpertin Renate Zimmer dazu. Der Bildungsforscher Timm Albers stellt kalr: „Sprachbildung gelingt dort, wo Kinder sind – im Alltag, in Beziehungen, von Anfang an. Die Kita kann das! Wir müssen ihr mehr zutrauen und sie entsprechend stärken, gerade bei der Prozessqualität.“ (siehe Pressemitteilung Kita Bündnis NRW vom 30.04.2026). Dazu auch Dominik Matzantke, Leitung Fröbelkindergarten Köln-Kalk: „Unsere Vorschul-Offensive `Ich kann das!´ zeigt, wie Kinder in der Kita Kompetenzen, Mut und Selbstvertrauen für den Schulstart entwickeln. ABC-Klassen setzen dagegen auf eine defizitorientierte Auswahl und wirken stigmatisierend. Sie sind fachlich nicht überzeugend, ineffizient und werden der pädagogischen Arbeit in den Kitas nicht gerecht.“ (Ebd. und ein Video dazu: „START.KLAR! Mehr als Vorschule“). Dazu auch der familienpolitische Sprecher der SPD-Fraktion Dennis Maelzer: „Die Idee der ABC-Klassen an den Schulen sind ein Schnellschuss kurz vor der Wahl. Die dafür benötigten 250 Millionen Euro wären deutlich besser bei der Kita aufgehoben:“ (siehe Pressemitteilung Kita Bündnis NRW vom 30.04.2026).
Kita-Sozialindex: „`Das ist ein wichtiges Projekt für die frühkindliche Bildung in NRW. Damit kann man Kinder optimal fördern und ihnen beste Startchancen ermöglichen´, sagt die neue Familienministerin Verena Schäffer (Grüne) im Familienausschuss des Landtags.“ (Westdeutsche Allgemeine Zeitung 02.05.2026) Der Kita-Sozialindex wird an der Ruhr-Uni-Bochum (RUB) von Joerg-Peter Schraepler) entworfen, der auch schon den Schul-Sozialindex für NRW hergestellt hat. Der Sozialindex fokussiert zentral zwei „Datensäulen … . Erstens: der Anteil der Kinder in einem Quartier, die in der Familie nicht Deutsch sprechen. Zweitens: Kinderarmut.“ (Ebd.) Es würde dann darum gehen, „den Kitas in `herausfordernden Lagen´ mehr Personal, mehr Geld und eine bessere Ausstattung zu geben. … Laut dem Kibiz-Entwurf sollen in NRW sogenannte `Chancen-Kita´ entstehen. Das sind Kitas, die gleichzeitig als `Plus-Kitas´ gefördert werden und Teil eines `Familienzentrums´ sind. Diese `Chancen-Kitas´ sollen auf der Grundlage des neuen Sozialindex ausgewählt werden.“ Eine „Plus-Kita“ und eine als Familienzentrum anerkannte Kita bekommen jeweils ca. 25t € zusätzlich. Das wären dann für eine „Chancen-Kita“ rund 50t € pro Jahr. Aktuell beläuft sich die gesamte Förderung von „Plus-Kitas“ und Familienzentren jährlich auf ca. 125 Mio. €. Diese Fördermittel sollen aber nicht aufgestockt worden, sondern anhand des Sozialindexes zielgenauer vergeben werden, (wobei die Förderung als „Plus-Kita“ bisher ja auch schon an den Anteil von Kindern mit besonderem Unterstützungsbedarf gebunden war). Das heißt an den Rahmenbedingungen der Förderung der Kitas in NRW wird sich dadurch nichts ändern. Schauen wir dann noch mal etwas genauer drauf!
Worum es geht: Sicherung der Qualität der Betreuung! „Im Kita-Jahr 2024/25 meldeten die Einrichtungen in NRW rund 34.000 Mal personelle Unterbesetzungen. In über 1000 Fällen mussten Kitas komplett schließen, deutlich häufiger wurden Gruppen reduziert.“ (Westdeutsche Allgemeine Zeitung 25.04.2026). Die Situation hat sich im laufenden Kindergartenjahr eher noch weiter verschärft! Das heißt, die kontinuierliche Umsetzung der erforderlichen Qualität der Betreuung in den Kitas setzt voraus: „Mehr Personal, bessere Betreuungsschlüssel, verlässliche Strukturen, die auch Krankheitszeiten abfedern.“ (Ebd.) – In NRW gibt es ca. 10.700 Kitas, in denen insgesamt knapp 760.000 Kinder (Ü3: 542.000 u. U3 216.000) von rund 175.000 Fachkräften betreut werden. Die Kosten dafür lagen 2022 beim Land und den Kommunen bei gut 8 Mrd. €. Die Personalkosten machen ca. 80 Prozent der Gesamtkosten der Kita aus = ca. 7,2 Mrd. Um die Personalschlüssel in den Kitas um 15 Prozent zu verbessern, müssten gut 1 Mrd. zusätzlich jährlich bereitgestellt werden. In der Grafik aus der Bertelsmannstudie zur aktuellen Personalausstattungsquote (S. 23) für alle Bundesländer liegt die erforderlich Personalausstattung in NRW nur bei 73 Prozent. Die Anhe
bung auf 100 Prozent, also eine Verbesserung um 27 Prozent würde dann ca. 2 Mrd. € jährlich kosten – siehe hierzu unseren Blog vom 19.03.2026 Die Personalausstattungsquote in Kitas – Handlungsbedarf; da finden Sie auch die Bertelsmannstudie zur Personalausstattungsquote in Kitas 2026. Daran muss die Politik sich in Zukunft messen lassen, wenn sie die Sicherung der Qualität der Elementarbildung auf `ihre Fahnen schreibt´! Im Frühjahr 2027 sind Landtagswahlen in NRW!
Zuguterletzt Die schwarz-grüne Landesregierung in NRW hat sich offensichtlich auch davon verabschiedet, das 3. Kita-Jahr landesweit beitragsfrei – so steht es im Koalitionsvertrag – zu machen: ca. 150 Mio. €. In der Haushaltsplanung für 2027 ist der Betrag nicht berücksichtigt. Dazu kommt das NRW-Chaos, dass die Kommunen die Höhe der Eltern-
beiträge (Westdeutsche Allgemeine Zeitung 11.03.2026) kommunal festlegen dürfen.